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photo by Vinh Long Ha

Aus der FAZ, 2. August 2011 
Bericht vom Konzert beim “Stoffel”-Festival in Frankfurt/M., Sa, 30.7.2011

Lebendige Geschichten
Hands On The Wheel und Markus Rill bei “Stoffel”

Als Tom Ripphahn im Jahr 1990 mit einigen befreundeten Musikern aus Frankfurt die Band Hands On The Wheel gründete, war die Rock- und Popwelt in mancher Hinsicht noch eine andere. Songschreiber standen kaum im Mittelpunkt des Interesses, und das Genre “Americana” als Bezeichnung für eine moderne Fusion von Folk, Rock und Country begann sich gerade erst zu etablieren. Eine Band, die zugunsten von Gitarren völlig auf Synthesizer und Sequenzer verzichtete, spielte entweder harten Underground-Rock oder musste sich den Vorwurf gefallen lassen, ein wenig altmodisch zu sein. Dennoch wirken die ersten, ungeachtet aller Trends produzierten Songs von Hands On The Wheel sogar heute noch lebendig und recht zeitlos. Während der folgenden Jahre verstrickte sich die Band jedoch im Vertrag mit einer großen Plattenfirma, die schon damals eher kommerzielle als künstlerische Ziele verfolgte. […]

Auch Markus Rill, 1970 in Frankfurt geboren, hat sich in bald fünfzehn Karrierejahren als bemerkenswerter Songschreiber profiliert. Von Würzburg aus ging er einst zum Studium in die Vereinigten Staaten, seit 1997 hat er elf CDs veröffentlicht, von denen er drei mit namhaften Musikern in Nashville, Tennessee, einspielte. Immer wieder wird der Sänger und Gitarrist bei amerikanischen Wettbewerben für seine Musik und Texte hoch gelobt. Stilistisch bewegt Rill sich meist zwischen Folk und Rock, Ausflüge in andere Genres nicht ausgeschlossen. So lebt die 2010 erschienene CD “Makin’ Trouble” von Gospel und Blues, Cajun und Hillbilly-Anklängen sowie Gastmusikern an Fiddle oder Akkordeon, die sich allesamt in Tom Ripphahns Studio einfanden. Rills jüngstes Album, “Wild, Blue And True”, konzentriert sich mehr auf den kompakten Sound seiner Band “The Troublemakers”, die Markus Rill ebenfalls auf der Bühne begleitet.

Mit Reibeisen-Stimme raspelt sich Rill durch seine Stücke, deren Arrangements zumindest bei “Stoffel” eher zum bodenständigen Rock tendieren. Schlagzeuger Aggi Berger und Bassist Chris Reiss grundieren solide, Gitarrist Felix Leitner greift auch mal zur Mandoline. Am markantesten wirken Rills Balladen, in denen er unerwartete Betrachtungen anstellt. So reflektiert er über das Schicksal Natascha Kampuschs, über die Einsamkeit von Elvis oder den Selbstmord eines Jungen aus der Nachbarschaft, mit dem er nie befreundet war. Wie manche amerikanischen Vorbilder zeigt Markus Rill, dass nicht jede Geschichte persönlich erlebt werden muss, um sie stimmig in einem Song zu erzählen.

NORBERT KRAMPF

1 August 2011 ·

rock'n'rill

Rock'n'roll-folk-country-Americana songwriter Markus Rill blogs about his latest exploits, upcoming shows, backstage shenanigans and more. Check out
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Markus Rill

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