Ganz neue Töne

This is from neun7, a weekly publication in Würzburg. February 17.

Ganz neue Töne

Am 25./26. Februar releast Markus Rill im Bronnbach Künstlerkeller sein neues Album. Es ist sein bisher vielseitigstes

Das sind ja ganz neue Töne. „You can‘t avoid life/ once you‘re brought into this world“, brummte Markus Rill im Opener seiner vorletzten Platte „The Price Of Sin“ (2006). Sein neues, inzwischen siebtes Studioalbum „Wild, Blue & True“ (2011) schließt mit den Zeilen: „I believe that these are better days/ when everything is falling into place.“ Was dazwischen liegt außer fünf Jahren und „The Things That Count“ (2008)? „Das Leben“, sagt Markus Rill und lächelt.
Das Leben hat es zuletzt gut mit dem Würzburger Americana-Musiker gemeint. Und das hört man seinem neuen Werk an. Die beiden melancholischen, teils tieftraurigen Vorgänger klangen mitunter wie Tagebücher und waren geprägt von Verlust: vom Tod seiner Mutter und vom Ende der Beziehung zu der Frau, die er heiraten wollte. Mit „Wild, Blue & True“ schlägt der 40-Jährige nun andere Töne an –
in jeder Hinsicht. Musikalisch rockigere, souligere und sogar leicht poppige, inhaltlich weit weniger schwermütige. „Ich wollte auch mal positive Songs schreiben“, sagt er. „Songs, die widerspiegeln, wo ich zurzeit stehe: Mir geht‘s ganz gut.“
Mit seiner Münchener Freundin bekam er im September 2009 Tochter Marni Rae. „Jeder, der schon mal Vater geworden ist, weiß, dass das eine unglaubliche Freude ist“, sagt Rill. „Es ist das Natürlichste der Welt und zugleich das größte Wunder.“ Seiner Tochter ist das letzte Stück des Albums gewidmet, „Falling Into Place“. „Mit ihr hat sich alles gefügt.“ An seine Freundin richtet sich der erste Song, „Wild, Blue, True-Hearted Man“. So sieht Markus Rill sich selbst. Nicht als Prinz, der in jemandes Traum auftaucht, sondern als Typ: „Ungehobelt, nachdenklich, echt“. So ist auch sein neues Album.
Zwischen dem privaten Auftakt und Ausklang reihen sich einige Storysongs aneinander, über Sterbehilfe („Time To Go“), über einen Jungen, der Boxer sein will, aber viel zu dünn ist („Skinny Teddy“), über Marilyn Monroes Vater, den keiner kennt („Girl Of Many Secrets“) und Natascha Kampusch („Natascha“), die jeder kennt. Und doch versteckt sich zwischen all den Geschichten über gebrochene Gestalten erneut ein Rest roter Faden über Rill selbst. „Fast Forward“ knüpft an „What Might‘ve Been“ von der Vorgänger-CD an und lässt die Verbindung zu seiner früheren Liebe noch immer nicht abreißen. Das Stück, das der Musiker bereits vor drei Jahren geschrieben hat, handelt davon, dass er die Zeit nicht zurück-, aber auch nicht vorzuspulen kann und deswegen ein Wiedersehen noch warten muss. Bis heute.
An einigen Texten hat Markus Rill erstmals mit Co-Schreibern gearbeitet, darunter die schwedischen Künstlerinnen Annika Fehling und Eva Hillered. Beide hat er 2009 bei einem Songwriter-Camp kennengelernt, mit beiden war er inzwischen auf Tour. Einen Song, der in Schweden gemeinschaftlich entstanden ist, haben Markus Rill und Annika Fehling für das neue Album als Duett aufgenommen („Your Own Private Rainbow“). Er lebt vom künstlerischen Kontrast: Die Schwedin hat eine sehr klare, Rill eine rauchige Reibeisen-Stimme. Sein Markenzeichen.
Und noch ein Kontrastprogramm hat der Würzburger mit „Wild, Blue & True“ gewagt. Nachdem er seine drei letzten Alben mit amerikanischen Topmusikern in Nashville aufgenommen hatte, war es ihm „ein Bedürfnis“, diese Platte in Deutschland einzuspielen, genauer: in Karben bei Frankfurt. Aus drei Gründen: „Es war die größere Herausforderung, hier das gleiche Niveau wie in den USA zu erreichen. Ich wollte diesmal mit meiner eigenen Band und guten Freunden arbeiten. Und ich wollte mehr Muße für die Aufnahmen haben als in Nashville, wo eine Platte in zehn bis zwölf Studiotagen fertig ist.“ 
Das Ergebnis ist ein stilistisch und thematisch sehr abwechslungsreiches Album. Für Edgar Heckmann, den Kopf seines Labels Blues Rose Records, ist es Rills bestes. Ganz sicher ist es sein vielseitigstes. Am 25. und 26. Februar stellt er es mit Band und Gästen jeweils um 20 Uhr im Bronnbach Künstlerkeller in Würzburg vor.

Natalie Greß

17 February 2011 ·

rock'n'rill

Rock'n'roll-folk-country-Americana songwriter Markus Rill blogs about his latest exploits, upcoming shows, backstage shenanigans and more. Check out
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